Interview mit Lena Seidel über ihren aktuellen Roman „Qarthiumkrieg I – Drachen-Gen“

erstellt von: HOMO Littera | Kategorie(n): Interviews

„Lena Seidel“ hat uns zu ihrem aktuellen Buch „Qarthiumkrieg I – Drachen-Gen“  ein Interview gegeben

Hallo Lena. Vor Kurzem ist dein Buch „Qarthiumkrieg I – Drachen-Gen“ erschienen. Es stellt den Auftakt zu einem Mehrteiler dar. Würdest du uns kurz erzählen, worum es in deinem Buch geht?

Lena: Hallo und herzlich willkommen in meinem kleinen Reich.
Im „Drachen-Gen“ geht es um die Geschichte von Alec und Max, deren Welt von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt wird, als sie erfahren müssen, dass sie das Drachen-Gen in sich tragen. Bereits in ihrer Kindheit und Jugend waren die beiden außergewöhnlich – Max war aggressiv und Alec ein Sportfreak. Als sie sich kennenlernen, ist es für sie, als würde ein Puzzleteil in das andere klicken. Von Anfang an ist alles ziemlich perfekt zwischen ihnen, bis sie eines Tages bei einem Spaziergang überfallen werden. Max wird k.o. geschlagen, Alec verschwindet, an seiner Stelle taucht ein gigantischer Drache auf, der Max rettet und ihn fortbringt. Ab diesem Moment befinden sie sich in einem Abenteuer, das größer ist, als sie sich je hätten vorstellen können.

Mit „Qarthiumkrieg“ entführst du die Leser in eine Welt voller Drachen, Mythen und Legenden. Wie bist du auf diese Idee gekommen? Hat dich etwas Bestimmtes inspiriert?

Lena: Am Anfang stand die Forderung meiner Tochter, ich solle doch einmal versuchen, etwas „Episches“ zu schreiben, wie sie sich ausdrückte. Ich überlegte, dass es kaum etwas „Epischeres“ als Drachen gibt. Damit allein war es aber nicht getan – Drachen brauchen schließlich einen Gegenspieler. Bei einem Brainstorming mit meiner lieben Kollegin Simone Singer kamen wir auf Einhörner als Gegner. Böse, aggressive Einhörner, die nichts mit der allgemeinen Vorstellung von niedlichen und scheuen Wesen zu tun haben. So entstand nach und nach die Storyline zum „Qarthiumkrieg“.

In deinem Buch stellst du deine beiden Protagonisten vor scheinbar unüberwindbare Probleme. Trotzdem kämpfen sie füreinander. Denkst du, dass Liebe auch im wahren Leben Lücken schließen kann und unbesiegbar ist?

Lena: Auf jeden Fall. Ich habe sogar in meinem privaten Umfeld genügend Beispiele, dass fast alles möglich ist, wenn man sich nur vertraut und zusammenhält. Man darf sich auch streiten, bis die Fetzen fliegen, oder zweifeln. Nur eines darf man nicht: aufgeben.

Viele Autoren durchlaufen während des Schreibprozesses ihrer Geschichten oft zahlreiche Abenteuer. Gab es während des Schaffens von „Qarthiumkrieg I“ ein Ereignis oder ein Erlebnis, das dir ewig in Erinnerung bleiben wird? Das du immer mit „Qarthiumkrieg“ verbinden wirst?

Lena: Nein, tut mir leid, damit kann ich nicht dienen.

Wie auch in anderen Werken von dir tauchst du immer wieder gerne in den Fantasybereich ab. Warum gerade Fantastische Literatur oder Fantasy?

Lena: Im Fantasybereich ist einfach alles denkbar. Drachen, Einhörner, Dämonen, Werwölfe, übersinnlich begabte Menschen, das waren schon immer Themen, die mich fasziniert haben. In anderen Gebieten muss man sich an die Realität halten – im Fantasygenre brauche ich das nur bedingt machen. Für mich ist das, als schreibe ich einen langen, aufregenden Traum auf; ich kann in die Welt abtauchen, die ich selber schaffe, und Unmögliches möglich machen.

Qarthiumkrieg I

Liest du selbst gerne Bücher aus dem Fantasybereich?

Lena: Ja, absolut. Meine Lieblingsbücher sind „Herr der Ringe“ von J.R.R.Tolkien und „Die Herrin der Stürme“ von Marion Zimmer Bradley. Ich besitze eine ganze Menge Fantasyromane, die ich auch wirklich alle gelesen habe.

Deine Protagonisten in „Qarthiumkrieg I“ sind schwul. Glaubst du, dass es schwieriger ist, homosexuell zu schreiben als heterosexuell? Denkst du, dass es Nachteile für Schriftsteller gibt, die in diesem Bereich tätig sind?

Lena: Für mich ist es leichter, homosexuell zu schreiben. Ich habe mich einmal an einem heterosexuellen Text versucht und das ganz schnell aufgegeben. Ich weiß nicht warum, aber wenn ich hetero schreibe, komme ich mir vor, als würde ich Pornos schreiben. Das ist bei homosexuellen Texten anders. Ich kenne jedoch Autoren, die beides perfekt schreiben können.
Was die Nachteile angeht, so denke ich, dass die Autoren in dem Bereich einfach weniger Leser haben, weil es sich nach wie vor um ein Nischengenre handelt. Und wenn ich jemandem erklären muss, was genau ich schreibe, ernte ich oft genug abschätzende Blicke oder verzogene Mienen. Manchmal kommt es mir vor, als würde man nicht ernst genommen werden, wenn man homosexuell schreibt.

Sehr viele weibliche Autoren schreiben schwule Literatur. Woran, glaubst du, liegt das? Was sagst du zu der oftmals laut werdenden Kritik, dass Frauen nicht homosexuell schreiben können?

Lena: Ich glaube, dass man sich immer das erträumt, was man nicht haben kann. Im Bereich der schwulen Liebe sind wir Frauen nur auf unsere Fantasie angewiesen – und es kann uns nie passieren, dass wir in eine solche Situation kommen.
Was die Kritik angeht, dass Frauen nicht homosexuell schreiben können, kann ich nur sagen: Warum denn nicht? Ich kenne inzwischen einige Autorinnen, die das sehr gut können. Natürlich wissen wir nie, wie es sich für einen Mann in der Realität anfühlt, einen anderen Mann zu nehmen oder genommen zu werden. Aber wir wissen auch nicht, wie es sich für einen Mann anfühlt, mit einer Frau zu schlafen.

Du kommst selbst aus einer Gegend, wo Homosexuelle noch eher eine Randgruppe darstellen. Warum, denkst du, dauert Akzeptanz am Land immer etwas länger? Hast du selbst Nachteile, weil du in diesem Bereich tätig bist?

Lena: In der Gegend, in der ich lebe, werden Traditionen und Religion noch großgeschrieben und selbst in Zeiten von Internet und Kabelfernsehen wird noch genau darauf geachtet, dass alles seine sittliche Richtigkeit hat. Was an sich ja nicht schlecht wäre, gäbe es da nicht eine gewisse Doppelmoral, denn es ist weniger dramatisch, Ehebruch zu begehen, als homosexuell zu sein. Solange das eine nur eine „Sünde“ ist und das andere als „unnatürlich und abnorm“ abgestempelt wird und nicht sein darf, wird sich an der mangelnden Akzeptanz auch nichts ändern. Dazu kommt sicher auch, dass es kaum Wege gibt, die Vorurteile gegenüber Homosexuellen abzubauen, einfach weil nach Möglichkeit alles beim Alten bleiben soll. (Wenn es machbar wäre, würden hier heute noch Leute in der Donau ertränkt oder selbstbewusste Frauen auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden … 😉 )
Zum Glück habe ich nicht sonderlich viel Kontakt zu meinen Nachbarn oder den Leuten im Dorf. Ich habe acht Jahre hier gewohnt, bis ich wusste, wie die Leute im Haus auf der anderen Straßenseite mit Nachnamen heißen … Also weiß kaum jemand, dass ich schreibe, und somit habe ich auch keine Nachteile. Außerdem schreibe ich unter einem Pseudonym, das war eine Bedingung meines Mannes, der durch seine Arbeit relativ bekannt in unserer Gegend ist.

Du hast bereits mehrere Bücher erfolgreich veröffentlicht. Wie schwer ist es, als Autor Fuß zu fassen? Kannst du Debütautoren einen Rat mit auf den Weg geben, wenn sie den Traumberuf „Schriftsteller“ wählen?

Lena: Der Anfang war seltsamerweise nicht schwer für mich, vielleicht auch, weil ich bei den ersten Büchern eine Co-Autorin hatte. Je mehr Bücher ich schreibe, desto schwieriger wird es allerdings, finde ich. Man wird am letzten Buch gemessen und die Erwartungen der Leser steigen ständig. Wahrscheinlich springe ich deswegen in den verschiedenen Fantasybereichen hin und her – von Dämonen zu Drachen, vom Mittelalter in die nahe Zukunft. Damit ist ein Buch kaum mit dem anderen vergleichbar.
Debütautoren kann ich nur ermutigen, auch bei Absagen einfach am Ball zu bleiben. Manchmal klappt es eben nicht auf’s erste Mal. Das ist aber kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Es ist noch kein Autor vom Himmel gefallen. 😉 Ergreift auf jeden Fall die Chancen, die sich euch bieten, und lasst euch auch von Korrektoren, Lektoren und Verlegern helfen. Egal, für wie gut ihr euer Werk haltet – es kann immer noch besser werden.

Du hast dir als Autor bereits einen Stammkreis von Lesern aufgebaut. Mit Spannung erwarten viele schon die Fortsetzung von „Qarthiumkrieg I“. Kannst du deinen Lesern etwas bezüglich des 2. Teiles verraten?

Lena: Das Training von Alec und Max geht weiter und die Monocorni werden näher vorgestellt. Außerdem werden einige offene Fragen geklärt. Das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf der Geschichte der Großen Drachen.

Was dürfen sich Leser außer der Fortsetzung von „Qarthiumkrieg“ von dir erwarten? Kannst du zu weiteren Plänen bereits etwas sagen? Oder überraschst du deine Leser lieber mit etwas Unerwartetem?

Lena: Da habe ich einiges in petto. Demnächst wird der dritte Teil der „Wächterdämonen“ erscheinen, außerdem liegt ein Manuskript, in dem mein ganzes Herzblut steckt, gerade beim Lektor. Darüber möchte ich allerdings nur verraten, dass es ein Mehrteiler über einen übersinnlich begabten Menschen wird und für mich „das Buch“ ist – das eine, das ich schon seit langer Zeit schreiben wollte. Und ich habe mit einem neuen Projekt begonnen, das von einem Fürsten und seinem Diener zur Zeit der Inquisition handelt. Ihr könnt also wirklich gespannt sein.

Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview und wünschen dir weiterhin viel Glück und Erfolg!

Lena: Vielen Dank!

„Qarthiumkrieg I – Drachen-Gen“ ist seit Dezember im Buchhandel und in Online-Shops als Print und E-Book erhältlich.


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